What I know about … Gründungszuschuss

2021 habe ich es gewagt und mich voll selbstständig gemacht. Dabei wollte ich es nicht unversucht lassen, den Gründungszuschuss zu erhalten. Eine sehr willkommene finanzielle Unterstützung in den ersten Monaten der Selbstständigkeit. Da ich einige Fragen dazu bekommen habe, habe ich mein Wissen in diesem Blog-Beitrag zusammengetragen…



Als wichtige Info vorneweg: Alles, was ich folgend schreibe, basiert auf meiner persönlichen Erfahrung und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Für sämtliche Details informiert euch bitte direkt bei dem für eure Region zuständigen Amt.


Gründungszuschuss – was ist das?


Den Gründungszuschuss zu erhalten, bedeutet, für die ersten sechs Monate nach der Gründung finanzielle Unterstützung zu kriegen, die die Lebenshaltungskosten und die Sozialversicherungsbeiträge decken soll. Er basiert auf der individuellen Höhe an Arbeitslosengeld I plus pauschal 300 € für die Sozialversicherung.


Der Gründungszuschuss ist eine Leistung von der Agentur für Arbeit, also dem Amt, das sich um das Arbeitslosengeld kümmert. Und das ist aus meiner Sicht schon mal der erste Knackpunkt. Denn meines Erachtens bräuchte es ein eigenes Amt, was explizit für die Bedürfnisse von Gründer*innen da ist und die Aufgabe hat, diese zu unterstützen und zu fördern. Für die Agentur der Arbeit ist das Gründen nämlich eine Notlösung, wenn es sonst keine Möglichkeit gibt, auf dem Arbeitsmarkt vermittelt zu werden. Und das ist nicht gerade die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Selbstständigkeit.


So ist es aber nunmal, der Gründungszuschuss ist gekoppelt ans Arbeitslosengeld. Ihr könnt ihn also nur beantragen, wenn ihr Anspruch habt auf ALG I und dies noch für mindestens 150 Tage. Dafür müsst ihr mal angestellt gewesen sein, um überhaupt kündigen zu können bzw. euch kündigen zu lassen. Keine guten Nachrichten für die Mutigen, die sich direkt nach dem Studium o.ä. selbstständig machen wollen.


Good News hingegen für alle, die nebenberuflich starten – so wie ich. So lange ihr nämlich belegen könnt, dass die Tätigkeit definitiv weniger Stunden in Anspruch nimmt bzw. nahm als eure Hauptbeschäftigung, könnt ihr für den Schritt in die volle Selbstständigkeit den Zuschuss beantragen. Leider gibt es keinen gesetzlichen Anspruch darauf – nicht mehr. Und ob ihr ihn kriegt, ist eine Ermessensleistung der Sachbearbeiterin/des Sachbearbeiters, die*der euch zugeteilt wird.


Dazu habe ich schon viele negative Geschichten gehört – ich kann nur für mich sprechen, meine Erfahrung ist sehr positiv. Meines Erachtens lohnt es sich, optimistisch und freundlich an die Sache heranzugehen und erstmal davon auszugehen, dass es der*die Bearbeiter*in gut mit einem meint. Ich habe zum Beispiel irgendwann den Rat bekommen, auf keinen Fall sofort zu erwähnen, dass ich mich selbstständig machen möchte. Genau dies habe ich aber schon beim ersten Telefonat erwähnt und es war überhaupt kein Problem. Ich muss aber auch sagen, dass ich meine Ansprechpartnerin aufgrund von Corona nie persönlich getroffen habe. Und dass die Gesamtsituation möglicherweise förderlich war für meinen Antrag; das Angestelltenverhältnis galt immer als die sichere Bank, Corona hat uns – und vielleicht auch der Agentur für Arbeit – gezeigt, dass man sich davon etwas lösen muss. Aber das ist nur eine Vermutung.

Arbeitslosengeld


Nach der Kündigung muss man sich jedenfalls bei der Agentur für Arbeit sowohl arbeitslos als auch arbeitssuchend melden, möglichst zeitnah – denn wer zu lange wartet, kriegt eine (kleine) Sperrfrist. Dieses ganze Prozedere möchte ich hier nicht im Detail erläutern. Ich kann nur empfehlen: lest alles gut durch, fragt nach, bleibt hartnäckig. Gegen Bescheide kann man Widerruf einreichen und das sollte man bei Bedarf auch tun. Ihr könnt euch schriftlich erklären. Auch wenn es einem manchmal nicht so vorkommt, da sitzen auch nur Menschen und die schauen sich euer Anliegen an.


Hier vielleicht noch ein wichtiger Hinweis: während ihr als arbeitslos gemeldet seid, dürft ihr nicht mehr als 15 Stunden pro Woche arbeiten. Ich weiß nicht genau, wie man als selbstständig kreativ arbeitender Mensch seine Arbeitszeit tracken soll. Gilt ein Museumsbesuch zur Inspiration als Arbeit? Kaffee trinken mit einer Freundin und dabei über ein Projekt philosophieren auch? Sowohl beim Antrag auf Arbeitslosengeld als auch auf den Gründungszuschuss werdet ihr mehrfach gefragt, wie viel ihr pro Woche arbeiten werdet – tut euch den Gefallen und schreibt da alles hin was weniger ist als 14,9 (sofern es stimmt, natürlich).


Nun seid ihr also offiziell arbeitslos und kriegt, wenn alles geregelt ist, 60 % eures vorherigen Gehalts als Arbeitslosengeld ausgezahlt. Die Auszahlung ging in meinem Fall übrigens super fix und unkompliziert. Ihr könnt weiterhin nebenbei in eurer Selbstständigkeit arbeiten, nur eben nicht mehr als 14,9 Stunden die Woche und mit maximal 165 € Verdienst pro Monat.


Businessplan-Beratung (Vermittlungsgutschein)


Noch während mein Antrag auf Arbeitslosengeld ausstehend war, hat mir meine Sachbearbeiterin den sogenannten Vermittlungsgutschein ausgestellt. Damit kann man, freiwillig, ein gewisses Kontingent an Beratungsstunden wahrnehmen, um den Businessplan zu schreiben. Den braucht ihr nämlich für den Antrag auf den Gründungszuschuss. Für diese Beratung könnt ihr ein Angebot aus einer Liste auswählen oder selbst etwas vorschlagen. Wichtig ist nur, dass die Beratungsstelle dazu befugt ist, euch in dieser Sache zu unterstützen.


Diesen Vermittlungsgutschein zu nutzen, kann ich nur wärmstens empfehlen. Das hat mir definitiv geholfen bei meinem Businessplan. Bei meiner Beratungsstelle hab ich dann eine Businessplanvorlage bekommen und konnte an verschiedenen Online-Terminen teilnehmen. Zum Beispiel zum Thema Recht oder Versicherungen. Ab und an hatte ich einen Termin vor Ort, um meine Fragen (Finanzplan, hallo-ho!) und den aktuellen Stand zu besprechen. Meine Beraterin hat mir dann auch mit meinen Unterlagen und dem Antrag geholfen.


Alles rund um den Businessplan ist ein ganz eigenes Thema. Auf jeden Fall hatte ich dann nach einigen Wochen endlich alles beisammen und konnte den Antrag einreichen. Bei mir wurde im Vorfeld gefragt, ab wann ich denn vor habe, zu gründen. Ich konnte das Datum dann trotzdem noch verschieben, da alles länger gedauert hat, als gedacht. Wichtig ist, wie weiter oben schon erwähnt, dass ihr zu dem Zeitpunkt noch mindestens 150 Tage Anspruch habt auf euer Arbeitslosengeld.


Tragfähigkeitsprüfung


Was ihr ganz final noch braucht, ist die Tragfähigkeitsprüfung eures Businessplans einer fachkundigen Stelle. Die Kosten hierfür müsst ihr selbst tragen. Bei mir konnte das idealerweise direkt meine Beraterin machen, was natürlich ideal ist, da sie in den ganzen Prozess involviert war und mich und meinen Businessplan bereits kannte. Es ist aber auch möglich, den Businessplan zum Beispiel von der IHK prüfen zu lassen. Am Ende kriegt ihr, hoffentlich, eine positive Stellungnahme