Siebdruck – was ist das eigentlich?

Immer wieder taucht dieses Wort auf meiner Website auf. Doch was verbirgt sich dahinter? Dieser Beitrag soll etwas Licht in die dunkle Werkstatt bringen. Viel Spaß!



Siebdruck ist eine Drucktechnik, die es ermöglicht, von Hand Grafiken, Illustrationen und Schriftzüge in satten Farben auf verschiedene Oberflächen zu übertragen. Das Ziel sind weniger Einzelstücke sondern Serien. Daher auch die alternative Bezeichnung Serigrafie. Dieser Begriff wird allerdings eher für Kunstdrucke auf Papier verwendet, wobei bei Siebdruck generell auch Textildruck gemeint ist.

Im Zentrum steht der Siebdruckrahmen, meist gefertigt aus Aluminium oder Holz. In diesen Rahmen ist ein farbdurchlässiges Gewebe gespannt – bestehend aus einer Vielzahl an Fäden, die ein feines Raster bilden.


Good to know: Im Englischen heißt Siebdruck „screen printing“ oder auch „silk screen printing“. Denn früher waren besagte Gewebefäden aus Seide. Heutzutage wird dafür Polyester oder Nylon verwendet.



Bereitet man den Rahmen für den Druck eines bestimmten Motivs vor, wird das Gewebe-Raster teilweise verschlossen, während andere Stellen offen bleiben. Diese offenen Stellen bilden eine Schablone, durch welche, mit einer sogenannten Rakel, die Farbe gestrichen werden kann.

Verschließen kann man das Gewebe-Raster zum Beispiel mit Papier und Klebeband. Für langlebigere Schablonen mit detailreichen Motiven kommt eine lichtempfindliche, cremige Flüssigkeit zum Einsatz – die Photoemulsion. Damit wird das Sieb von beiden Seiten mit Hilfe einer Beschichtungsrinne beschichtet. Anschließend muss es an einem lichtdichten Ort trocknen.


Das trockene, beschichtete Sieb lässt sich mit einem Polaroid-Film vergleichen. So wie das Fotopapier nicht ins Licht darf, bis es ganz bewusst belichtet werden soll, ist es auch mit dem Sieb.



Weiter geht’s mit dem Motiv, das gedruckt werden soll. Besonders geeignet sind Schriftzüge, grafische Formen und lineare/flächige Zeichnungen. Das Design kann in den gängigen Grafik-Programmen entworfen oder von Hand gezeichnet und eingescannt werden. Wichtig ist nur eins: Damit das Design als Siebdruckvorlage funktioniert, muss alles schwarz sein. Keine Schattierungen, keine Verläufe. Und keine Farben. Diese kommen dann erst später beim Siebdrucken ins Spiel.


Good to know: Bei mehrfarbigen Motiven muss das Design separiert werden. Für jede Farbe wird ein eigenes Sieb erstellt, was einen eigenen Druckvorgang bedeutet. Daher wird Siebdruck auch immer teurer, je mehr Farben im Einsatz sind.


Ist das Motiv fertig vorbereitet, wird es in der gewünschten Größe auf Transparentfolie ausgedruckt. Diese Folie ist die Grundlage zur Herstellung der Siebschablone. Daher ist es wichtig, den Ausdruck auf Größe, Schärfe und Deckkraft zu prüfen.



Im nächsten Schritt kommt Lichts ins Spiel. Das kann ein einfacher Baustrahler sein oder aber eine teure Belichtungsanlage. Wichtig ist, dass das Licht gleichmäßig das gesamte Format des Siebdruckrahmens bestrahlen kann.


Nun platziert man das trockene, beschichtete Sieb zusammen mit der ausgedruckten Folie unter (oder über, je nach dem) der Lichtquelle und beschwert das Ganze mit einer Glasplatte, damit nichts verrutscht. Und jetzt: Licht an!


Good to know: Was jetzt geschieht, ist eine chemische Reaktion. Das Licht, welches auf das Sieb trifft, führt dazu, dass die Photoemulsion aushärtet. Das bedeutet, sie wird wasserfest. Überall dort, wo eben diese Photoemulsion mit dem schwarzen Motiv bedeckt ist, kann das Licht nicht durchdringen. Sprich, die Emulsion härtet nicht aus und bleibt entsprechend wasserlöslich.


Nach wenigen Minuten oder Sekunden, je nach Lichtquelle, Emulsion und Vorrichtung, heißt es: Licht aus, Glasplatte und Folie entfernen und ab in die Auswaschstation. Hier werden die Stellen, die nun immer noch wasserlöslich sind, sorgfältig mit Wasser ausgewaschen. Dieser Moment hat jedes Mal etwas magisches!



Fertig ist die Siebschablone! Gut trocknen lassen oder mit dem Föhn nachhelfen und dann kann es endlich ans Drucken gehen. Dafür wird das Sieb, bzw. die Siebe, in das Druckkarussell oder die Siebklammern eingespannt. Dieser Schritt nennt sich einrichten“. Hier ist es wichtig, darauf zu achten, dass das Motiv ganz genau an der Stelle sitzt, wo man es hin gedruckt haben möchte. Insbesondere bei mehrfarbigen Designs ist das elementar, denn die einzelnen Farben sollen ja ein stimmiges Gesamtmotiv ergeben.



Was wir jetzt noch brauchen, ist das restliche Equipment. Allem voran die Rakel. Das ist dieses Holzteil mit der Gummilippe. Sie ist das Arbeitsinstrument für die Siebdruckerin so wie der Pinsel für den Maler. Außerdem muss der Rand der Siebschablone noch mit Klebeband abgeklebt werden, da die Photoemulsion meist nicht bis zum Rand geht. Und zu guter Letzt brauchen wir die Farbe. Hier gibt es unzählige Möglichkeiten. Im Atelier Jakob&Tatze wird die Farbe je nach Einsatzzweck (Papier oder Textil) individuell und nach Wunsch angemischt.



Jetzt endlich geht es ans Drucken! Erstmal muss natürlich der Druckträger (T-Shirt, Beutel, Poster …) platziert werden. Dann die Farbe großzügig unterhalb des Motivs auftragen, das Sieb leicht anheben und die Farbe mit der Rakel sachte über das Sieb schieben, bis das gesamte Motiv gleichmäßig mit Farbe gefüllt ist. Diesen Vorgang nennt man fluten“. Dann den Siebdruckrahmen senken, die Rakel oberhalb der Farbwulst absetzen und mit beiden Händen und kräftig Druck zum Bauch hin über das ganze Motiv ziehen. Sieb anheben und erneut fluten. Druckträger vorsichtig entfernen bzw. trocknen lassen und einen neuen platzieren. Und so weiter und so fort.


Wie das dann in Action aussieht, zeigt dieses Video:



Ich hoffe, dieser Beitrag hat dir einen ersten Einblick geben können, wie Siebdruck funktioniert. Vielleicht hast du bemerkt, dass der Basisaufwand, bis es ans Drucken geht, recht hoch ist. Daher lohnt es sich meistens nicht, nur Einzelstücke und ganz kleine Auflagen zu drucken. Denn sobald alles vorbereitet ist, geht es ruckzuck. Da kann man schon mal in eine Art Druck-Wahn verfallen!


Du möchtest das alles mal selbst erfahren und eigene Siebdrucke herstellen? Dann bitte hier entlang. Du hast ein Projekt oder Motiv, dass du gern im Siebdruck umsetzen lassen würdest? Kein Problem, ich führe auch Druckaufträge aus. Hier entlang bitte!


Bis bald!

Herzlichst, Nina aka Jakob&Tatze ♥